Pressespiegel:

  • 24. September 2010

22-jährige Mutter in der Hartz IV-Falle

Wattenscheid. Ihr Traum vom Fachabi droht zu scheitern: am Geld und der Unbeweglichkeit der Behörden.

Sie möchte raus aus Hartz IV, ihr Fachabitur machen, um danach bessere Berufschancen zu haben und auch ihrem Sohn Etienne (3) eine gute Zukunft bieten zu können. Doch der Traum von Corinna Koppe (22) droht zu scheitern: an Geld – und an der Unbeweglichkeit der Behörden.

Nach der Geburt von Etienne war die allein erziehende Mutter in Hartz IV gerutscht. „Er hatte noch keinen Kindergartenplatz“, berichtet sie. Nachdem eine Betreuung für den Dreijährigen sichergestellt war, entschloss sich Corinna Koppe, auf ihre Mittlere Reife aufbauend die Höhere Handelsschule zu besuchen. „Ich möchte mein Fach-Abi nachmachen und dann eine Ausbildung im wirtschaftlichen Bereich machen.“

Seit Mitte August ist die junge Mutter nun wieder Schülerin – und hat damit kein Anrecht mehr auf die bisherige Hartz IV-Leistung von 716 Euro. „Ich war direkt, nachdem ich den Aufhebungsbescheid bekommen habe, bei der Arge und habe gefragt, wie ich ohne Geld mein Kind ernähren und meine Miete bezahlen soll“, erzählt sie.

BAföG solle sie beantragen, habe man ihr geraten. „Das habe ich auch sofort getan, aber auf dem BAföG-Amt hieß es, einen Bescheid würde ich frühestens im Oktober bekommen“, berichtet Corinna Koppe frustriert. „Und man hat mir auch gesagt, ich soll erst mal nicht davon ausgehen, dass ich überhaupt BAföG kriege.“

In ihrer Verzweiflung ist Corinna Koppe in die Bürgersprechstunde des SPD-Landtagsabgeordneten Serdar Yüksel gegangen – und der versteht jetzt die Welt nicht mehr: „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es für solche Fälle im Sozialgesetzbuch keine Überbrückungshilfe gibt.“ Also setzte sich der Politiker mit der Arge in Verbindung, um zu erfahren: Das Amt hat keine rechtliche Handhabe, um Corinna Koppe ein Überbrückungsdarlehen zu gewähren.

Der SPD-Politiker ist entsetzt: „Das ist eine große Ungerechtigkeit, eine Blindheit des Sozialstaates“, erklärt er. „Wir sagen immer, dass wir junge Leute aus Transferleistungen raushaben wollen – und hier werden diejenigen, die etwas aus ihrem Leben machen wollen, auch noch bestraft. Dabei müsste man sie eigentlich belohnen.“

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