Das Bochumer Zentrum für sexuelle Gesundheit soll als Erfolgskonzept landesweit Schule machen

• Dr. Heinrich Rasokat (Universitätsklinikum Köln, Poliklinik für Dermatologie und Venerologie) • Professor Dr. Norbert Brockmeyer (Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin am Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum) • Serdar Yüksel MdL (Mitglied des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales)

„Wir müssen viel mehr im Bereich der sexuellen Gesundheit tun!“, betont der Experte Prof. Dr. Norbert H. Brockmeyer bei der Anhörung zum Thema „Sexuell wechselübertragbare Infektionen – Entwicklung, Maßnahmen und Perspektiven“ im nordrhein-westfälischen Landtag.

Prof. Brockmeyer leitet das als Vorzeigeprojekt und unter dem Namen „Walk in Ruhr“ (WIR) bekannte Zentrum für sexuelle Gesundheit in Bochum und erfährt täglich, wie schwierig und komplex das Thema sexuelle Gesundheit insbesondere im Hinblick auf die zum Teil wiedererstarkten sexuell übertragbaren Infektionen geworden ist. Seit Jahrzehnten begegnen ihm täglich Patienten, bei denen es zu vermeidbaren gesundheitlichen Komplikationen aufgrund sexuell übertragbarer Infektionen gekommen ist, weil man es zuvor versäumt hatte, rechtzeitig auf sexuelle übertragbare Infektionen zu testen.

Diese Eindrücke bestätigen auch Zahlen des Robert-Koch Instituts. In einer vom Robert-Koch Institut durchgeführten landesweiten Studie, bei der Personen, die zum HIV-Test ins Gesundheitsamt kamen, eine Untersuchung auf Chlamydien und Gonokokken angeboten wurde, lag die Krankheitshäufigkeit von Chlamydien bei 18- bis 24-jährigen Frauen bei 9% und bei heterosexuellen Männern bei rund 6%. Die Zahlen zeigen, dass längst nicht mehr nur HIV und Syphilis beim Thema der sexuellen Gesundheit zu berücksichtigen sind, sondern auch andere sexuell übertragbare Infektionen. Vor allem da rund 80% dieser Infektionen symptomlos verlaufen und die Betroffenen lange nicht merken, dass sie infiziert wurden, warnen Experten vor einem mangelnden Testbewusstsein.

Vor diesem Hintergrund hat die SPD-Fraktion eine Anhörung im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales im Landtag beantragt, um aktuelle Entwicklungen, Perspektiven und mögliche Maßnahmen seitens des Landes mit den Sachverständigen und Experten zu diskutieren. Der Bochumer SPD-Abgeordneten und Mitglied des Ausschusses erklärt hierzu im Anschluss an die Anhörung: „Die Experten in der Anhörung waren sich einig, dass das Zentrum für sexuelle Gesundheit in Bochum ein einzigartiges und vielversprechendes Erfolgsprojekt darstellt, das unbedingt und schnellstmöglich Schule in NRW machen muss. Hier ist die Landesregierung in der Pflicht und steht vor dem Hintergrund der geschilderten finanziellen Belastung des Zentrums unter Zugzwang. Es muss schnell und effektiv gehandelt werden!“